Mein Name ist Geert Möbius, ich bin 1967 geboren und wohne zurzeit in Neustadt an der Weinstraße. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Evangelium unter anderem eben, indem ich es mit der Feder abschreibe.
Natürlich schätze ich die Verfügbarkeit von vielen Übersetzungen und auch die vielfältigen Recherchemöglichkeiten im Internet. Selbst wenn es mir darum geht, beim Lesen des Evangeliums ein reales inneres Erlebnis zu haben, so entsteht dieses Erlebnis immer besser, je mehr ich mich auch gedanklich mit dem Text selbst befasst habe. Das Evangelium Satzteil für Satzteil zu lesen, zu erfassen und wiederum aufzuschreiben, lässt mich innerlich den Prozess des Menschwerdens mitvollziehen, wie ich ihn in den Evangelien bildhaft geschildert finde. Wenn ich für mich selbst schreibe, entscheide ich mich entweder für eine vorliegende Übersetzung oder suche beim Schreiben selbst nach Worten, die das innere Miterleben vielleicht treffender ausdrücken als die Vorlage.

Vielleicht fragen Sie sich ja, warum ich das überhaupt mache.

Nun, im Verlauf meines Lebens gab es tiefe Einschnitte. Aus einer Naturwissenschaftler-Familie stammend hatte ich ursprünglich keinen Zugang zu geistigem Erleben. Mir ging allerdings als junger Erwachsener das Drama der sozialen Krisen und Kriege so nahe, dass ich mich nach dem Abitur ganz einer politischen Tätigkeit widmete. Mit den Massenbewegungen 1989 begann ich mich zu fragen, ob der dialektische und historische Materialismus wirklich die Gesetzmäßigkeit der menschlichen Geschichte erklären kann und mir die richtige Weltanschauung für mein Handeln bietet. Ich zog mich aus der politischen Arbeit im linken Spektrum zurück und absolvierte eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Anschließend arbeitete ich freiberuflich mehr als 11 Jahre im Bereich Grafik-Design und Satzherstellung von Büchern. Im Verlauf dieser Jahre zerbrach meine damalige Ehe und ich habe meine ganze Lebensweise und Weltanschauung hinterfragt.
Auf der Suche nach einer Erklärung für alles, was mit mir bis dahin geschehen war, machte ich erste spirituelle Erfahrungen und begann ein meditatives, religiöses Leben. Zunächst lernte ich  verschiedene spirituelle Traditionen kennen und begegnete dann der Christengemeinschaft – Bewegung für religiöse Erneuerung und der Anthroposophie. So begann ich mit Anfang dreißig ein Leben mit dem Evangelium und fand darin urbildlich dargestellt, was ich selber durchlebt hatte und in der Welt wahrnahm. Und ich fand Trost darin, dass es nicht nutzlos ist, auch im Kleinen menschliche Gemeinschaften zu bilden, in denen nicht der Wunsch nach immer mehr Besitz, sondern das Ideal der gegenseitigen Unterstützung lebt. Es kann gar nicht darum gehen, heute schon ein vollkommener Mensch zu sein, aber wir können immer wieder neu versuchen, das Gute zu tun. Davon lasse ich mich auch nicht dadurch abbringen, dass im großen öffentlichen Leben die Gier nach Besitz und der Kampf aller gegen alle anscheinend endlose Triumphe feiern. Das Evangelium kennt all diese Erscheinungen und kennt auch die Erlebnisse des einzelnen Menschen und wer sich darin wiederfinden kann, findet auch Trost und Hoffnung. Mit dem Projekt, in der heutigen Zeit das Neue Testament zu einem Gebrauch in diesem Sinn ganz von Hand zu schreiben, will ich ein geistiges Zeichen setzen, das dem Strom der technischen Anonymisierung entgegenwirkt und auf den Wert wirklicher menschlicher Tätigkeit und Gemeinschaft hinweist.



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